Dr. Björn Siegel

wiss. Mitarbeiter

Tel.: (040) 42838 - 2935
Email: bjoern.siegel@igdj-hh.de
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Zur Person

Björn Siegel ist seit 2010 wissenschaftlicher Mitarbeiter am IGdJ. Seine Forschungsinteressen sind die deutsch-jüdische bzw. österreichisch-jüdische Geschichte, Philanthropie-, Migrations- und Wirtschaftsgeschichte. Er absolvierte sein Studium an der LMU München und Tel Aviv University mit den Schwerpunkten Neuere und Neueste Geschichte/Jüdische Geschichte und Kultur, Ost- und Südosteuropäische Geschichte sowie Religionswissenschaft. Sein besonderer Fokus lag auf dem deutsch-sprachigem Judentum in Zentral- und Osteuropa, was seine 2008 abgeschlossene Dissertation „Österreichisches Judentum zwischen Ost und West: Die Israelitische Allianz zu Wien 1873-1938“ widerspiegelt (Campus 2010). 

Als Post-Doctoral Research Fellow setzte er seine Forschungen zum deutsch-sprachigen Judentum in Osteuropa fort und untersuchte in einer Studie den Aufbau der Baron Hirsch-Stiftung für Galizien und der Bukowina. Zusammen mit Dr. Beate Meyer veröffentlichte er zudem die Edition Kurt F. Rosenberg: „Einer, der nicht mehr dazugehörte“ Tagebücher 1933-1937 (Wallstein 2012), in dem er den Lebensweg des Hamburger Rechtsanwalts nachskizzierte und seine Entscheidungen, Wahrnehmungen und Vorstellungen im Kontext des Nationalsozialismus in Hamburg einbettete. 

Von 2014 bis 2015 war er am IGdJ beurlaubt und als DAAD-Fachlektor am Centre for German Jewish Studies der University of Sussex (UK) tätig. Hier lehrte er nicht nur im Bereich der deutsch-jüdischen Geschichte, sondern auch im Bereich der deutschen und europäischen Geschichte.

Sein neuestes Forschungsprojekt befasst sich mit dem Schiff bzw. der See als Ort in der jüdischen Geschichte. Hierbei soll die jüdische Migration nach Palästina in der Zwischenkriegszeit anhand einer multi-perspektivischen Darstellung genauer untersucht werden. Damit rücken nicht nur die Emigranten/Flüchtlinge in den Fokus, sondern auch die Schiffsgesellschaften und zionistischen Organisationen. Migration wird damit als erfahrbares Phänomen, als Geschäft und als Teil einer imaginierten Idee wahrgenommen. 

Als ein weiteres Forschungsprojekt ist eine biographische Studie über zwei deutsch-jüdische Rabbiner, Fritz Pinkuss und Heinrich Lemle, in Vorbereitung, die das Zusammenwirken von Religion, Wissenschaft und Migration genauer beleuchten will. Pinkuss und Lemle, die beide noch in den 1930er Jahren in Deutschland religiös ausgebildet worden waren, emigrierten aufgrund der NS-Verfolgunsmaßnahmen nach Brasilien und begannen dort ein neues Leben. Beide wurden einflussreiche Rabbiner, die das jüdisch-brasilianische Leben entscheidend prägten und unter anderem auch das deutsch-jüdische Erbe, wie z.B. die Traditionen der Wissenschaft des Judentums, jenseits des Atlantiks bewahrten. 

Im Kontext seiner Forschungsarbeiten war er Stipendiat des Leo Baeck Fellowships/Deutsche Studienstiftung, des Franz Rosenzweig Minerva Research Centers in Jerusalem, des Lehrstuhls für Jüdische Geschichte und Kultur der LMU München/Moshe und Pesia Beirach Stipendiat, der Minerva Foundation, der Max Weber Stiftung – Stiftung Geisteswissenschaftliche Institute im Ausland und des United States Holocaust Memorial Museum (Washington, D.C.).

Themenschwerpunkte

  • Deutsch-jüdische und österreichisch-jüdische Geschichte des 19. und frühen 20. Jahrhunderts
  • Migrationsgeschichte
  • Wirtschaftsgeschichte

Forschungsprojekt

Das Schiff als Ort in der jüdischen Geschichte: Europäische Reedereien und die jüdische Emigration nach Palästina in der Zwischenkriegszeit (1920-1938)

Verbandsmitgliedschaften

Wissenschaftliche Arbeitsgemeinschaft des Leo Baeck Instituts in der Bundesrepublik Deutschland
www.wag-leobaeck.de

American Jewish Studies Association
www.ajsnet.org

European Association for Jewish Studies
www.eurojewishstudies.org

Gesellschaft zur Erforschung der Geschichte der Juden
www.gegj.de

 

Publikationen

  • Visiting the Orient – German-speaking Jewry, Zionism and early forms of tourism to the Middle East (1897-1914), Centre for German-Jewish Studies: Research Papers (2016), 1-22.
  • Verworrene Wege – Die Gründungsgeschichte des Instituts für die Geschichte der deutschen Juden, in: 50 Jahre – 50 Quellen, hrsg. v. IGdJ, (Hamburg: 2016), 26-53.
  • Adolf Jellinek, Encyclopaedia of the Bible and its Reception 13 (2016), 1-2.
  • Die Jungfernfahrt der „Tel Aviv“ nach Palästina im Jahre 1935. Eine „Besinnliche Fahrt ins Land der Juden“? in: „Ihre Wege sind liebliche Wege und all ihre Pfade Frieden“ (Sprüche 3, 17) Die Neunte Joseph Carlebach-Konferenz. Wege Joseph Carlebachs. Universale Bildung, gelebtes Judentum, Opfergang, hrsg. v. Miriam Gillis- Carlebach/Barbara Vogel, Dölling u. Galitz Verlag GmbH München/Hamburg: 2014, S. 106–125.
  • „Arnold Bernstein“: Biographie im Rahmen des Forschungsprojektes des Deutschen Historischen Instituts (GHI) Immigrant Entrepreneurship: German-American Business Biographies (1720 to the present) [Publikation 2014/2015] http://www.immigrantentrepreneurship.org
  • Beate Meyer/Björn Siegel (Hg.), Kurt F. Rosenberg, „Einer, der nicht mehr dazugehört“, Tagebücher 1933-1937, Göttingen 2012
  • Erziehen, Bilden und Helfen: Religion, Bildung und Wohlfahrt im jüdischen Wien, in: Jüdische Wohltätigkeitsvereine, hrsg. v.  Stecklina u.a., Frankfurt 2012, S. 21-46.
  • Denkschrift des Vereins zur Unterstützung mittelloser israelitischer Studierender in Wien. Aus Anlass seines fünzigjährigen Bestandes 1861-1911 (Auszug), in: Jüdische Wohltätigkeitsvereine, hrsg. v.  Stecklina u.a., Frankfurt 2012, S. 122-129.
  • Das ‚Es werde Licht‘ ist gesprochen; …“ Die Bildungsmissionen der Israelitischen Allianz zu Wien, der Baron Hirsch-Stiftung und der Alliance Israélite Universelle im Vergleich, 1860–1914, Transversal  1+2 (2011), S. 83-112.
  • Österreichisches Judentum zwischen Ost und West – Die Israelitische Allianz zu Wien 1873–1938, Frankfurt a. M.: Campus Verlag, 2010.
  • Die Israelitische Allianz zu Wien 1873–1938, in: Europäische Traditionen – Enzyklopädie jüdischer Kulturen (Akademieprojekt des Simon-Dubnow-Instituts), Stuttgart/Leipzig: J. B. Metzler Verlag 2010.
  • Facing tradition – Adolf Jellinek and the emergence of modern Habsburg Jewry, Simon-Dubnow Institute Yearbook VIII (2009), S. 319–344.
  • Zwischen Paris und Gondar – Die Missionen der Alliance Israélite Universelle 1867 und 1907/8 nach Äthiopien, in: Orient als Grenzbereich? Rabbinisches und außer-rabbinisches Judentum, hrsg. v. Annelies Kuyt, Gerold Necker (Abhandlungen für die Kunde des Morgenlandes, Band LX), Wiesbaden: Harrassowitz Verlag 2007, S. 249-264.
  • Giehse, Therese, Encyclopaedia Judaica 7 (2007: 2nd Edition), S. 598.

Publikationen in Vorbereitung

  • The Vienna Jewish Alliance (Israelitische Allianz zu Wien) and its attempt to modernize Central Europe, in: Jews and the Nation State in South-Eastern Europe, hrsg. v. Tulia Catalan/Marco Dogo (Triest, 2016, Manuskript angenommen), 1-22.
  • Envisioning a Maritime Jewish Place, Studies in Contemporary Jewry 30 (2016, Manuskript angenommen), 1-23. 
  • Wissenschaft des Judentums in Habsburg Vienna, in: Wissenschaft des Judentums: An international perspective, hrsg. v. Christian Wiese/Mirjam Thulin (Frankfurt a.M., 2016, Manuskript angenommen), 1-24 
  • Jewish Philanthropy and the formation of modernity. Baron de Hirsch and his vision of Jewish spaces in European societies, in: Space and Spacelessness in Modern German-Jewish History, hrsg. v. Simone Lässig/Miriam Rürup (New York, 2016, Manuskript angenommen), 1-21.
  • Josef Ritter von Wertheimer, Neue Deutsche Biographie (NDB) (2016, Manuskript angenommen), 1-3.
  • Between Light and Darkness: Jewish Education in Times of War, in: Jewish Experience of the First World War, hrsg. v. Gideon Reuveni (London, 2016, Manuskript angenommen), 1-17.