Dr. des Christine Hartig

Assoziierte Wissenschaftlerin

E-Mail: christine.hartig@uni-hamburg.de

 

Zur Person

Christine Hartig studierte Mittlere und Neuere Geschichte in Göttingen. Ihre Magisterarbeit verfasste sie zu dem Thema: „Die letzte Zuflucht. Jüdische Selbsttötungen im 'Dritten Reich' im Spiegel von Selbstzeugnissen“. Es folgte die Promotion an der Universität Erfurt mit einer Arbeit zu: „Zwischen Durchkommen und Auflösung. Jüdische Familien angesichts nationalsozialistischer Verfolgung: Berlin – Wien - Prag“.

Christine Hartig war Stipendiatin der Max-Planck-Gesellschaft, Fellow am Leo Baeck Institute in New York und am United States Holocaust Memorial Museum in Washington, DC. Sie forschte an der Universität Flensburg als Wissenschaftliche Mitarbeiterin zu wissenssoziologischen Fragestellungen und an der Universität Innsbruck als Postdoc zu der Geschichte der Innsbrucker psychiatrischen Kinderbeobachtungsstation und der Geschichte der Heilpädagogik in der Zweiten Republik.

Zurzeit bearbeitet sie im Auftrag der Universität Hamburg ein Projekt zum Thema: „Hamburger Alltagsgeschichte(n) im NS“ und untersucht in einem zweiten Projekt das Zusammenwirken der Arbeit von Hilfsorganisationen und von Migrationsregimen am Beispiel der jüdischen Immigration in die USA (1920-1950).

Themenschwerpunkte

Jüdische Geschichte
Geschichte des Nationalsozialismus
Geschichte der Psychiatrie und der Sozialen Arbeit
Geschlechtergeschichte
Transnationale Geschichte und Migrationsgeschichte

Projekt

Grenzziehungen durch humanitäre Hilfe am Beispiel jüdischer Migration in die USA zwischen 1920 und 1950

Migration als Antwort auf politische und gesellschaftliche Zumutungen, Ausgrenzungen und Verfolgung spielen ebenso wie die Migrationshilfe in der jüdischen Geschichte eine herausragende Rolle. Nach dem Ersten Weltkrieg verschärften europäische Staaten und die USA ihre Einwanderungsgesetze. Dies hatte Auswirkungen auf die Arbeit von Hilfsorganisationen, die jüdische MigrantInnen unterstützen wollten. Frauenorganisationen, die während des Ersten Weltkrieges die Professionalisierung der Sozialarbeit vorangetrieben hatten, wandten sich in der Zwischenkriegszeit der Flüchtlingshilfe zu. Sie brachten ihre berufliche Expertise in ein Arbeitsfeld ein, das immer stärker durch eine nationale, ethnische oder religiöse Ausrichtung der Einwanderungsgesetze begrenzt wurde. Das Projekt untersucht, wie sich ihre Hilfe im Untersuchungszeitraum von einer zunächst allgemeinen Unterstützung aller Hilfesuchenden über die Identifizierung von ‚Hilfsberechtigten‘ bis zur Steuerung der Migrationsziele wandelte.

Publikationen (Auswahl)

„[A]ls Kind musst du einfach damit umgehen. Weil friss oder stirb, gell“ – Die Innsbrucker Kinderbeobachtungsstation der Maria Nowak-Vogl (1954-1987) im Spiegel von Interviews ehemaliger PatientInnen in: Studie betreffend die Kinderbeobachtungsstation der Maria Nowak-Vogl. Interdisziplinäre Zugänge, Hrsg. von: Elisabeth Dietrich-Daum, Michaela Ralser, Dirk Rupnow, S. 253-297.

Grenzen ziehen durch professionelle Hilfe? Transnationale Flüchtlingsarbeit am Beispiel der Immigration unbegleiteter jüdischer Kinder in die USA (1934-1941), in: WerkstattGeschichte 70(2015), S. 7-23.

„Darum sorge selbst dafür, gesund zu bleiben u. energisch mit Dir selbst zu sein“ – Veränderte Erwartungen an Kinder angesichts der nationalsozialistischen Verfolgung, in: Das Ende der Kindheit? – Jüdische Kindheit und Jugend ab 1900. Juden in Mitteleuropa, St. Pölten 2014, S. 16-25.

Selbsttötungen deutscher Juden. Pressestimmen des Jahres 1933, in: Michael Nagel, Moshe Zimmermann (Hgg.), Judenfeindschaft und Antisemitismus in der deutschen Presse über fünf Jahrhunderte / Five hundred Years of Jew-Hatred and Anti-Semitism in the German Press, 2 Bd., Bremen 2013, S. 691-714.

(zusammen mit) Maren Büttner, Tilmann Siebeneichner (Hgg.), Montagen zur Herrschaftspraxis in der Klassischen Moderne. Alltagshistorische Perspektiven und Reflexionen, Essen 2013.

(zusammen mit) Maren Büttner, Tilmann Siebeneichner, Einleitung: Reflexionen zur Herrschaftspraxis in der ‚Klassischen Moderne‘ aus alltagshistorischer Perspektive, in: Dies. (Hgg.), Montagen zur Herrschaftspraxis in der Klassischen Moderne. Alltagshistorische Perspektiven und Reflexionen, Essen 2013, S. 7-23.

Zwischen Emigrationshilfe und Amerikanisierungserwartung – Die Arbeit der German Jewish Children’s Aid, in: Adriane Feustel, Sonja Hilzinger, Gabriele Knapp, Inge Hansen Schaberg (Hgg.), Die Vertreibung des Sozialen, München 2009, S. 130-151.

“Conversations about Taking our Own Lives – Oh, a Poor Expression for a Forced Deed in Hopeless Circumstances!” - Suicide Among German Jews 1933-1943, in: Leo Baeck Institute Yearbook 52 (2007), S. 247-265.