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Zwischen Prag und Nikolsburg. Jüdisches Leben in den böhmischen Ländern

Seit rund zwei Jahrzehnten erfreuen sich die jüdische Geschichte und Kultur der böhmischen Länder eines wachsenden Interesses nicht nur in Fachkreisen, sondern auch in den tschechischen Medien und der breiteren Öffentlichkeit. Damit rückt der historisch multiethnische Charakter der Region verstärkt ins Zentrum der Aufmerksamkeit, dessen verschiedene Facetten zahlreiche jüngere Publikationen näher beleuchten: Dabei spielen der Kulturtransfer zwischen verschiedenen Ethnien und Sprachen (Tschechisch, Jiddisch, Deutsch, Polnisch), die Nationalitätenkonflikte des späten 19. und des 20. Jahrhunderts, Antisemitismus und schließlich die Zerstörung der polyethnischen Gesellschaft während und unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg eine große Rolle.

Umso erstaunlicher ist es daher, dass bislang noch keine innovative Synthese dieser Forschung vorliegt – eine Herausforderung, der sich ein internationales Autorenteam seit 2015 annimmt. Gemeinsam entstand eine englischsprachige Überblicksdarstellung, die in sieben Kapiteln die Geschichte der Juden in den böhmischen Ländern von der Frühen Neuzeit bis in die unmittelbare Gegenwart erzählt. Dabei geht es ebenso um Kontakte der jüdischen Bevölkerung mit ihren nichtjüdischen Nachbarn wie um den Blick in die Provinz, das heißt in die ländlichen Regionen und Gemeinden abseits der großen städtischen Zentren Prag, Brno und Ostrava. Auf diesen Aspekt verweist auch das titelgebende Nikolsburg (Mikoluv) in Mähren, das einst eine der größten und einflussreichsten Gemeinden des Landes beherbergte und zugleich ein wichtiges jüdisches Verwaltungszentrum außerhalb der berühmten Prager Gemeinde war. Zu Wort kommen nicht nur jüngste Forschungsergebnisse, sondern auch zahlreiche neue Quellenfunde aus tschechischen, amerikanischen und israelischen Archiven. Neben der englischsprachigen Originalfassung sind auch eine deutsche, eine tschechische und eine hebräische Ausgabe in Vorbereitung.

Die deutschsprachige Version wird vom Collegium Carolinum betreut und soll zu Beginn des Jahres 2020 auf den Buchmarkt gelangen. Die finanzielle Förderung durch die BKM ermöglicht einerseits eine Übersetzung und ein gründliches Lektorat des Originaltextes, andererseits aber auch eine Reihe öffentlicher Buchvorstellungen. Sie werden gemeinsam mit zahlreichen Kooperationspartnern in Deutschland und Österreich sowie deutschsprachigen Kultureinrichtungen in Tschechien und Ungarn konzipiert und sollen das Thema und Anliegen des Buches in der interessierten Öffentlichkeit auch außerhalb akademischer Foren bekannt machen.

Ort: Hörsaal B im Hauptgebäude der Universität in der Edmund-Siemers-Allee 1 

https://www.uni-hamburg.de/kontakt/anfahrt-lageplan.html

 

 

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