Joel Bri’l Löwe: Die Breslauer Schulschriften im Kontext (1791–1801)

Dr. Uta Lohmann (IGDJ) und Dr. Kathrin Wittler (Peter Szondi-Institut für AVL, Freie Universität Berlin)

Laufzeit (DFG-Förderung): März 2020 bis Februar 2022

Im Zentrum des Forschungsvorhabens steht das Wirken des jüdischen Aufklärers Joel Löwe (hebr. Joel Bri’l, 1762–1802) in dessen letztem Lebensjahrzehnt in Breslau. Löwe wurde 1790 zum Oberlehrer und Direktoriumsmitglied der neugegründeten jüdischen Wilhelms-Schule in Breslau berufen und nahm in den folgenden Jahren maßgeblichen Einfluss auf den aufklärerischen Diskurs und das gesellige Leben vor Ort. Sein Wirken soll durch die historisch-kritische Edition der zwischen 1791 und 1800 publizierten Programmschriften der Wilhelms-Schule und weiterer Texte Löwes aus seiner Breslauer Zeit rekonstruiert werden. Mit der Edition dieser Schriften wird ein wichtiger Teil des Werks einer zentralen Figur der jüdischen Aufklärung (Haskala) erstmals erschlossen. Darüber hinaus verspricht das Projekt neue Einsichten in den ideen-, sprach-, kultur-, wissens- und sozialgeschichtlichen Kontext des ersten Dezenniums der Wilhelms-Schule, die als zweite moderne Erziehungsinstitution der Haskala in Preußen – nach der Berliner jüdischen Freischule – von großer Bedeutung für die deutsch-jüdische Bildungsgeschichte war.

Mit den Schulprogrammschriften, die im Rahmen des Projekts ediert werden sollen, wurde zu den jährlich stattfindenden öffentlichen Prüfungen der Wilhelmsschule eingeladen. Sie enthalten nicht nur den Schulbetrieb betreffende Berichte, sondern auch wissenschaftliche Ab­handlungen zu diversen Themen aus der Feder Löwes, mit denen der Schuldirektor seine vielfältigen und weit gestreuten Forschungs­interessen als Pädagoge, Linguist, Bibelexeget und Historiker erwies. Mittels der Veröffentlichungsform als Schul­schrift integrierte er seine Überlegungen zur deutschen Grammatik, zur Übersetzung und Exegese der hebräischen Bibel sowie zu bildungspolitischen Themen nicht nur in den Unterricht, sondern vermittelte sie auch an die örtliche und überregionale Öffentlichkeit.

Der Quellenwert von Löwes Schulschriften für die Haskala in Preußen und für die Werkbiographie Löwes ist sehr hoch. Sie sind heute nur in bibliographisch unzureichend erfassten Einzeldrucken in wenigen Bibliotheken weltweit erhalten. Mit der Edition werden sie – basierend auf einem vollständig erhaltenen Sammelexemplar der Universitätsbibliothek Wrocław – als Buchpublikation zugänglich gemacht und durch ein Personen- und Sachregister sowie durch wissenschaftliche Kommentare erschlossen. Ein vollständiges Werkverzeichnis Löwes wird die Edition ergänzen. Historische Überblicksbeiträge zu Löwes Wissensgebieten (Grammatik und Linguistik, Bibelübersetzung und Bibelexegese, Bildungspolitik und Pädagogik) werden eine vielschichtige interdisziplinäre Kontextualisierung der Schulschriften gewährleisten.

Die Schulschriften werden außerdem als hochauflösende und durchsuchbare Scans in Open Access über das Online-Portal Fachinformationsdienst Jüdische Studien (www.jewishstudies.de) zugänglich gemacht: Die Digitalen Sammlungen Judaica bieten einen Online-Zugang zu den Quellen, in der Datenbank Library of the Haskala (www.haskala-library.net) werden detaillierte bibliographische Angaben erfasst.

 

Kontakt:

Uta Lohmann (E-Mail: uta.lohmann[at]uni-hamburg.de)

Kathrin Wittler (E-Mail: kathrin.wittler[at]fu-berlin.de)

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