Zur Geschichte

Das 1966 eröffnete Institut für die Geschichte der deutschen Juden ist die älteste (und war lange Zeit die einzige) wissenschaftliche Einrichtung ihrer Art in Deutschland. Das IGdJ, eine Stiftung bürgerlichen Rechts in der Trägerschaft der Freien und Hansestadt Hamburg, widmet sich seiner Satzung gemäß ausschließlich den Schnittstellen zwischen deutscher und jüdischer Geschichte. Dass die jüdische Geschichte als Teildisziplin der allgemeinen Historiografie in Deutschland inzwischen wachsende Resonanz erzeugt und während der letzten Jahre einen wichtigen  Professionalisierungsschub erfahren hat, weist auf das erfolgreiche Bemühen, das Bewusstsein von der Bedeutung und Vielfalt jüdischer Lebenswelten in der breiteren (wissenschaftlichen) Öffentlichkeit zu verankern.

Erste Überlegungen zur Gründung des Instituts waren bereits in den 1950er Jahren erfolgt. Einen wesentlichen Impuls erhielten diese Erörterungen durch die einzigartige Quellensituation zur 400-jährigen Geschichte der Hamburger Juden. Im Unterschied nämlich zu anderen jüdischen Großstadtgemeinden, deren Archive 1939 durch die Gestapo beschlagnahmt wurden und im weiteren Verlauf größtenteils der Zerstörung zum Opfer fielen, waren die Aktenbestände der Hamburger Jüdischen Gemeinden (d. h. Altona, Hamburg und Wandsbek) als Depositum an das Staatsarchiv der Hansestadt gekommen, wo sie den Krieg ohne große Schäden überstanden.

In den 1950er Jahren erhoben der Staat Israel gemeinsam mit bekannten großen jüdischen Organisationen sowie den Successor Organizations die Forderung, die Quellenüberlieferungen der Jüdischen Gemeinden müssten nach Israel überführt werden. In einem Rückerstattungsverfahren vor dem Wiedergutmachungsamt beim Landgericht Hamburg trat die Jewish Trust Corporation als Antragsstellerin auf, um die Herausgabe der Archive und deren Überführung nach Israel zu erreichen. Nach einem Gerichtsverfahren von mehrjähriger Dauer einigten sich die Prozessgegner 1959 einvernehmlich darauf, das Archivgut zwischen den Central Archives for the History of the Jewish People (Jerusalem) und dem Staatsarchiv der Hansestadt zu teilen. Dabei wurde der jeweils fehlende Teil durch Mikrofilm oder Kopien ersetzt und dem anderen Archiv übergeben. Somit steht der Forschung heute sowohl in Hamburg als auch in Jerusalem ein historisch außerordentlich bedeutsamer Archivbestand für die deutsch-jüdische Geschichte vom Anfang des 17. Jahrhunderts bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs zur Verfügung.

Mit den Bestrebungen, das Archivmaterial für Hamburg zu sichern, ging die Idee einher, einen institutionellen Rahmen zur historiografischen Auswertung der Quellen zu schaffen. Bereits 1953 hatte sich unter dem Vorsitz des Historikers Fritz Fischer eine Arbeitsgemeinschaft für die Geschichte der Juden in Hamburg gebildet. Der Vorschlag, in Hamburg ein Archiv des Zentralrates der Juden in Deutschland zu errichten, fand allerdings kaum Zustimmung. Größeren Zuspruch erhielt der Plan eines Forschungsinstituts, dem auch der Senat sowie die Hamburgische Wissenschaftliche Stiftung ihre Unterstützung zusagten. Jahrelange Verhandlungen mündeten dann in der Gründung des Instituts für die Geschichte der deutschen Juden, als dessen ersten Direktor die Stadt 1964 den deutschisraelischen Historiker und Religionsphilosophen Heinz Mosche Graupe berief. Zwei Jahre später fand die offizielle Eröffnung des Instituts statt.