Newsletter Registrierung

07.12.2017

PRESSEMITTEILUNG: 200 Jahre Hamburger Israelitischer Tempel - die jüdische Haskala und die erste Reformsynagoge der Welt

Tempel in der Poolstraße

Wenige Monate später bezog der Verein ein eigenes Betlokal, in der südlichen Neustadt, im Alten Steinweg, wo in der Folge regelmäßig modernisierte Gottesdienste mit deutscher Predigt, Instrumentalmusik und Chorgesang stattfanden.

Vor allem seit den 1830er-Jahren bahnte sich die religiöse Reform auch in anderen deutschen Synagogengemeinden ihren Weg. Um 1850 setzte sich das religiöse Spektrum bereits aus unterschiedlichen orthodoxen und progressiven Strömungen zusammen. Neben der „Alt-Orthodoxie“ formierte sich eine „Neo-Orthodoxie“, die ihre Treue zum Religionsgesetz mit einem Bekenntnis zur europäischen Kultur verband. Andererseits existierten mehr oder weniger radikale Spielarten des Reformjudentums. Dazwischen positionierte sich eine gemäßigt konservative Strömung. Deutschland entwickelte sich in der Mitte Europas zum Zentrum des modernen religiösen Judentums mit Einfluss auf andere europäische Länder und die USA.

Das Institut für die Geschichte der deutschen Juden (IGdJ) und das Abraham Geiger Kolleg (AGK) an der Universität Potsdam beleuchten anlässlich des 200jährigen Jubiläums des Neuen Israelitischen Tempelvereins in Hamburg die Entwicklung der religiösen Pluralisierung im Judentum bis heute mit Schwerpunkt auf den progressiven Strömungen. Das IGdJ und das AGK – in Kooperation mit der Wissenschaftlichen Arbeitsgemeinschaft des Leo Baeck Instituts sowie der Union progressiver Juden in Deutschland – richten unter der Leitung des Rabbiners und Vorsitzenden der Union progressiver Juden, Prof. Dr. Dr. Walter Homolka, und dem stellvertretenden Leiter des IGdJ, PD Dr. Andreas Brämer, am 10. und 11. Dezember 2017 eine Konferenz im Hamburger Warburg-Haus aus, an der renommierte WissenschaftlerInnen aus dem In- und Ausland teilnehmen (siehe Anlage). Die Tagung soll dazu beitragen, das Phänomen einer religiösen Vielsprachigkeit der jüdischen Gemeinden weltweit auszuloten und komparativ zu diskutieren.

In der Anlage erhalten Sie eine Einladung zur Tagung mit dem Tagungsprogramm am 10. und 11. Dezember 2017 im Warburg-Haus, zu dem Pressevertreter herzlich eingeladen sind.

Am Montag, 11. Dezember 2017 um 9.00 Uhr findet ein Gedenken in der Poolstraße 12, dem Standort des Hamburger Israelitischen Tempels aus dem Jahr 1844 statt. Von dem ehemaligen Gotteshaus sind heute noch die Reste der westlichen Vorhalle und die östliche Apsis als unverbundene Kriegsruinen erhalten, das Hauptschiff wurde 1944 durch einen Bombentreffer zerstört.

Das letzte jüdische Gotteshaus, das in Hamburg vor der nationalsozialistischen Machtübernahme errichtet wurde, war der Tempel Oberstraße, der am 30. August 1931 eingeweiht wurde. Die Inneneinrichtung wurde beim Pogrom am 9. November 1938 zerstört, die Tempelgemeinde verkaufte das Gebäude und das Grundstück unter Wert. Das Gebäude beherbergte danach u. a. ein Getreidelager, ein Kino und eine Zeitungsredaktion. Nach dem Krieg erwarb der Norddeutsche Rundfunk den ehemaligen Tempel und nutzt ihn bis heute als Rolf-Liebermann-Studio und Konzertsaal.

Am Sonnabend, 9. Dezember 2017, findet hier um 19.30 Uhr ein Kantorenkonzert statt.

Zurück