Hamburger Vortrag von PD Dr. Franka Maubach auf DLF Nova „Hörsaal“
1946 wurden über einhundert Displaced Persons (DPs) – Überlebende der nationalsozialistischen Verfolgungs- und Mordpolitik – vom US-amerikanischen Psychologen David P. Boder interviewt. Die Zeugnisse dieser oft noch sehr jungen Menschen gehören zu den frühesten Audioaufnahmen von Überlebenden der Konzentrationslager. Erschreckend plastisch schildern sie die Haftbedingungen in den Lagern, versuchen sich aber auch in Raum und Zeit zu orientieren. Sie erzählen von einer existenziellen Ungewissheit – über den eigenen Lebensweg wie über den Verbleib von Angehörigen. Diese basale Ohnmacht und Orientierungslosigkeit verbinden sich in ihren Erzählungen mit dem Versuch, Handlungsfähigkeit und im Grunde das eigene Leben wiederzugewinnen.
PD Dr. Franka Maubach stellt ihre Forschung zu den Interviews von David P. Boder in der gemeinsam vom IGdJ mit der Forschungsstelle für Zeitgeschichte in Hamburg und dem Arbeitsbereich Deutschen Geschichte der Universität Hamburg organisierten Reihe „Kriegsende 1945 in Europa. Ereignisse, Erfahrungen, Deutungen“ vor. Ihr Vortrag widmete sich in einer erfahrungsgeschichtlichen Momentaufnahme den Überlebenswegen der DPs und leuchtete so das Kriegsende aus der existenziell ambivalenten Perspektive der Holocaustopfer und Flüchtlinge des Kriegsendes aus.
Der Vortrag kann ab dem 22. Januar 2026 18.00 Uhr als Podcast bei DLF Nova „Hörsaal“ nachgehört werden.