Neue Forschung zur Rechtsgeschichte
Die aktuelle Ausgabe der Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte eröffnet der Beitrag „Feindstaatenangehörige zwischen Völkerrecht und Willkür. Status und Behandlung britischer Zivilpersonen im nationalsozialistischen Deutschland“ von Dr. Kim Wünschmann.
Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs war die Behandlung von Zivilpersonen mit Feindstaatenangehörigkeit im Gegensatz zu der von Kriegsgefangenen noch nicht durch multilaterale Abkommen festgeschrieben. Am Beispiel der britischen Zivilinternierten im Deutschen Reich wird untersucht, inwiefern bilaterale Übereinkünfte und ein gewohnheitsrechtlicher Schutz dieser Gruppe dennoch einen besonderen Status gaben, der sie von anderen Gefangenen im nationalsozialistischen Lagersystem unterschied. Dabei wird das komplexe Phänomen der Zivilinternierung in einem rechtsgeschichtlichen Analysefeld verortet, das begrenzt wird von den Konventionen des humanitären Völkerrechts einerseits und dem ideologiegeleiteten Handeln des NS-Regimes andererseits. Auch den Erfahrungen der Internierten, darunter zahlreiche Jüdinnen und Juden, gibt der Aufsatz Raum.
Einen tieferen Einblick in ihre Forschung gibt Dr. Kim Wünschmann im Gespräch mit Dr. Thomas Schlemmer in der Reihe „Ins Heft gezoomt“. Mit diesem Format stellt die Redaktion der Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte jeweils ein Thema pro Ausgabe vor, gewährt aber auch einen kurzen Blick auf die weiteren Inhalte, die die Leserinnen und Leser zu erwarten haben.