Virtuelle Vortragsreihe: Zeitzeugenschaft / Geschichtsbilder / Deutungsmacht. (Wie) verändert KI unser Verständnis der Vergangenheit?
10.09.26
Donnerstag
13 - 14.00 Uhr
Virtuell
Daniel Burckhardt (Moses Mendelssohn Zentrum Potsdam)

 

Dieser Vortrag präsentiert einen innovativen Workflow der Digital Humanities: Es wird aufgezeigt, wie Erna Magnus Collection des Leo Baeck Institute, rund 800 Karteikarten zu Hamburger Jüdinnen und Juden zwischen dem 18. und frühen 20. Jahrhundert, mithilfe eines offenen multimodalen Sprachmodells (LMM) automatisiert in einen semistrukturierten, maschinenlesbaren Datensatz transformiert wurden. Dieses Verfahren ermöglicht eine erste quantitative Auswertung des Bestandes. Darüber hinaus illustriert das Projekt prototypisch die „Datifizierung“ serieller Aktenbestände. Es zeigt das Potenzial, aber auch die Notwendigkeit und den Umfang kuratorischer Nacharbeit bei einer solchen KI-gestützten Quellenaufbereitung.

Daniel Burckhardt ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Moses Mendelssohn Zentrum Potsdam mit dem Forschungsschwerpunkt Digitalisierungsstrategie. Zugleich arbeitet er an dem DFG-geförderten Projekt „German History in Documents and Images“ am DHI Washington, Washington DC, mit und ist Mitglied in den Steuerungsgruppen von H-Soz-Kult und des DTA-Basisformats.

 

Die Einwahldaten werden nach der Anmeldung verschickt: kontakt(a)igdj-hh.de

 

Über die  Virtuelle Vortragsreihe: Zeitzeugenschaft / Geschichtsbilder / Deutungsmacht. (Wie) verändert KI unser Verständnis der Vergangenheit?

Digitalisierung und Künstliche Intelligenz verändern grundlegend, wie wir Vergangenheit erforschen und verstehen. Durch die automatische Auswertung riesiger Datenmengen, Mustererkennung in Texten und Bildern und die Erzeugung von Inhalten eröffnen sich neue Formen der Wissensproduktion und wandelt sich unser Quellenverständnis. Der Einsatz von KI erfordert neue Formen der Quellenkritik und ein Bewusstsein für Grenzen und Macht algorithmischer Systeme.
Im Rahmen der Vortragsreihe sollen verschiedene Aspekte betrachtet werden: KI und Holocaust Education, Potenziale des Machine Learning bei der Analyse von Emotionen in Selbstzeugnissen zum Holocaust, der Einsatz von KI bei der Strukturierung historischer Forschungsdaten sowie KI-generierte Bilder im Kontext jüdischer Geschichte und des Holocaust auf Social Media.

Leitend sind dabei die Fragen: Welche neuen Möglichkeiten ergeben sich für die Wissensproduktion? Wie verändert sich unser Quellenverständnis? Welche Herausforderungen und Gefahren entstehen? Wie verändern sich Geschichtsbilder und wie verändert sich unser Verständnis von Vergangenheit?

Veranstalterinnen: Nina Brolich (Erfurt), Helena Geibel (Hamburg), Anna Menny (Hamburg), Anna Neovesky (Erfurt)

Eine Kooperationsveranstaltung des Instituts für die Geschichte der deutschen Juden (Hamburg) und der Professur für Digital Humanities und hybride Bildungs- und Kommunikationsräume an der Universität und Fachhochschule Erfurt.

 

Das Programm der Vortragsreihe finden Sie weiter unten.