Jüdische Lebenswelten im Hamburger Raum, Nationalsozialismus und Schoah - in Geschichte und Wirkung, Zeitgeschichte und Gegenwartsforschung

Mehr als 6.000 Stolpersteine hat der Künstler Gunter Demnig bisher in Hamburg verlegt (Stand: Juni 2021). Sie erinnern an Menschen, die Opfer der NS-Gewaltherrschaft geworden sind: Über 90 Prozent tragen die Namen von Jüdinnen und Juden, andere die von „Euthanasie“-Opfern, politischen Gegnern, Homosexuellen, Bibelforschern oder anderen Verfolgten. Die Stolpersteine ermöglichen dezentrales Gedenken im Alltag, fernab der ritualisierten Gedenktage und zentralen Mahnmale.

Stolpersteine in Hamburg

Eine Initiativgruppe um den Hamburger Peter Hess organisiert ehrenamtlich die Verlegungen. Die Patenschaften (und damit die Kosten für die Steine) wirbt er von „ganz normalen“ Bürgerinnen und Bürger der Stadt ein. So erinnern die Stolpersteine an vergangenes Unrecht, aber sie spiegeln auch die heutigen Aktivitäten von Menschen, die sich aus persönlichen, politischen, pädagogischen, religiösen oder anderen Gründen mit dem Schicksal der Menschen befassen, die am Ende ihres Lebens Opfer des Unrechtsregimes geworden sind.

Das Projekt „Biographische Spurensuche“

Wenn auch die Stolpersteine die Namen der Ermordeten öffentlich bewahren und rudimentäre Daten zu ihrem Leben, Sterben oder ihrem Wirkungsort geben, so sind doch weitere Informationen meist nicht bekannt oder jedenfalls nicht ohne Weiteres zugänglich. Deshalb entstand die Idee, diese Lebensläufe zu recherchieren und über Bücher sowie eine Website zu publizieren. Die Landeszentrale für politische Bildung Hamburg (LZ) und das IGdJ sprachen deshalb im Jahr 2006 hamburgweit Interessierte, Geschichtswerkstätten und Stadtteilinitiativen an, um ein solches Projekt – unter fachkundiger Anleitung – innerhalb der nächsten Jahre durchzuführen. Die Projektleitung lag bis 2018 bei Dr. Rita Bake (LZ) und Dr. Beate Meyer (IGdJ). Seit beide in den Ruhestand gegangen sind, haben Maria Koser und Ingo Wille die Koordination des Projektes als deren Sprecherin und Sprecher übernommen.

Inzwischen geht die biografische Spurensuche ins 15. Jahr. Mehr als 4.300 Biografien sind bereits erforscht und nachlesbar (Stand: Juni 2021) und mehr als 1.700 warten noch darauf, dass die Forschung beginnt...

Die Buchreihe „Stolpersteine in Hamburg – Biographische Spurensuche“

Die von der Landeszentrale für politische Bildung Hamburg (LZ) und dem IGdJ herausgegebene Buchreihe „Stolpersteine in Hamburg – biographische Spurensuche“ ist mit 23 Bänden inzwischen fast abgeschlossen (eine Liste der Publikationen finden Sie hier). Die Bücher sind im Infoladen der LZ erhältlich (Dammtorwall 1, 20354 Hamburg, Öffnungszeiten erfragen unter Tel.: 040 42823-4802).

Vielfältige Unterstützung

Alle Hamburger Bürgermeister haben seit 2007 Grußworte zu den Büchern beigesteuert und betont, wie wichtig die biografische Spurensuche für die Geschichte der Stadt ist. 2018 wurde das Projekt mit einem Senatsempfang geehrt.

Die dazu erschienene Broschüre steht hier online zur Verfügung.

Die bisher erforschten Biografien sind auf der Website www.stolpersteine-hamburg.de nachlesbar. Ca. 40 von ihnen sind von zwei (damaligen) Studentinnen akustisch als Stolpertonsteine aufbereitet worden, die über die Website angehört werden können.

Dank einer großzügigen Spende der Hermann Reemtsma Stiftung konnten die Biografien ins Englische übersetzt werden und sind so weltweit zugänglich. Die Zugriffszahlen und die Rückmeldungen an die Autorinnen und Autoren der Biografien zeigen, dass ein großes Interesse an den Lebensgeschichten besteht: Umgerechnet griffen pro 7-Tage-Woche mehr als 8.000 Nutzerinnen und Nutzer meist mehrmals auf die Website zu, der größte Teil aus Deutschland, ca. 30 % aus dem Ausland.

Die Projektbeteiligten präsentieren zudem die Biografien in Hamburg auf Veranstaltungen, sie bieten anreisenden Angehörigen Begleitung bei der familiären Spurensuche oder interessierten Hamburgerinnen und Hamburgern Rundgänge zu den Stolpersteinen an.