Flucht nach Shanghai: Eine Vater-Sohn-Beziehung zwischen Traumata, Erinnerung und Neubeginn
Unsere neue Folge unserer aktuellen Podcaststaffel von Jüdische Geschichte Kompakt, die unter der Überschrift „Geschichte(n) der deutsch-jüdischen Diaspora“ steht, ist jetzt online. In dieser Staffel erkunden wir die globalen Wege deutschsprachiger Jüdinnen und Juden, die besonders nach 1933/38 aus ihren Herkunftsländern emigrierten oder fliehen mussten. Gemeinsam mit unseren Gästen sprechen wir darüber, wie diese heterogene Gruppe ihren Alltag an Orten wie Buenos Aires, Haifa, London, New York oder Shanghai gestaltete, lokale und transnationale Gemeinschaften aufbaute und mit ihrer deutsch-jüdischen Herkunft nach der Schoa umging.
Nachdem wir in der letzten Folge mit Liliana Feierstein und David Jünger über die Bedeutung der beiden Amerikas als zentralen Orten der deutsch-jüdischen Diaspora gesprochen haben, nehmen wir Sie in dieser Folge mit nach Shanghai, New Jersey und Heidelberg. Unser Gast ist der Autor und promovierte Jurist Steven Less, der ein sehr persönliches Buch über die Geschichte seines Vaters geschrieben hat. Less, der 1953 in New Jersey geboren wurde und heute in Heidelberg lebt, gibt darin Einblicke in eine Vater-Sohn-Beziehung, die von großem Vertrauen und Zuneigung, aber auch von Konflikten und drohendem Kontaktabbruch geprägt war.
Sie können diese Folge ab sofort unter folgendem Link anhören:
https://juedischegeschichtekompakt.podigee.io/97-94-judische-geschichte-kompakt-18-3-flucht-nach-shanghai
Zur Folge:
Steven Less‘ Vater, der Künstler John Hans Less, konnte als Sechzehnjähriger aus Berlin vor dem Nationalsozialismus fliehen. Zusammen mit seiner Familie gelangte er im September 1940 nach Shanghai. Die chinesische Hafenstadt war damals einer der letzten Orte, in denen Jüdinnen und Juden aus Europa Zuflucht finden konnten. Auf die Bedeutung der Stadt, in der John Hans Less zusammen mit rund 20.000 anderen jüdischen Geflüchteten inmitten von Armut, Enge, subtropischem Klima und großer Unsicherheit lebte, kommt Steven Less ebenso zu sprechen wie auf die Kunst seines Vaters. Nach dem Zweiten Weltkrieg emigrierte John Hans Less in die USA, wo er später begann, sich mit seiner Vergangenheit künstlerisch auseinanderzusetzen und zahlreiche Werke in Erinnerung an Shanghai zu schaffen. Während John Hans Less eine Rückkehr nach Deutschland ausschloss, zog sein Sohn Steven Less 1981 nach Heidelberg. John Hans Less, der 2011 in den USA starb, empfand diese Entscheidung als Affront. Gemeinsam mit Steven Less wollen wir darüber sprechen, wie sich die Fluchterfahrungen der Eltern auf die zweite Generation auswirkten. Welche Rolle Shanghai im Leben und in der Kunst seines Vaters spielte und inwieweit die deutsch-jüdische Herkunft seiner Eltern seine eigene Biografie prägte. Seine Geschichte ähnelt dabei – wie Steven Less selbst sagt – einem Mosaikstein, der für viele andere jüdische Familien steht, die generationenübergreifend durch das in der Schoa erfahrene Leid geprägt wurden.
Eine Einführung von Miriam Rürup und Björn Siegel in die 18. Staffel, die gemeinsam von Lisa Sophie Gebhard und Lutz Fiedler am MMZ kuratiert wird, finden Sie hier:
https://juedischegeschichtekompakt.podigee.io/96-18-0-intro-zur-staffel-geschichten-der-deutsch-j-dischen-diaspora
Der Podcast-Kanal ist ein Kooperationsprojekt des Instituts für die Geschichte der deutschen Juden in Hamburg und des Moses Mendelssohn Zentrums in Potsdam.
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