Wissenschaftliche Mitarbeiterin
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Zur Person
Seit 1993 ist Wiebke Müller Mitarbeiterin des Museums für Hamburgische Geschichte, zunächst studienbegleitend in der Bibliothek des Museums. Nach Beendigung des Studiums der Kulturwissenschaften und Geschichte in Hamburg (Magisterarbeit: Die Konstruktion und Rezeption eines Geschichtsbildes am Beispiel des Romans „Exodus“ von Leon Uris) spezialisierte sie sich auf Provenienzforschung mit dem Schwerpunkt NS-verfolgungsbedingt entzogenes Kulturgut. Sie war in verschiedenen Forschungsprojekten für das MHG tätig, z.B. zur Provenienz der Gemälde- und Silbersammlung und zu Dr. Carl Schellenberg und für die die Senatskanzlei Hamburg zum Rathaussilber. Seit 2011 arbeitet sie auch nebenberuflich als freie Provenienzforscherin u.a. für private Kunstsammlungen, den „Help Desk“ des Deutschen Zentrums Kulturgutverluste (DZK) und den Kunsthandel. Sie forscht seit September 2026 am IGDJ und bereitet ein Projekt zum Thema „Verbleib des Hamburger Synagogensilbers“ vor.
Tätigkeitsprofil
Im Projekt "Synagogensilber in Hamburg" sollen lokale Verfolgungs- und Beraubungsstrukturen herausgearbeitet, Nutznießerschaften vor und nach 1945 nachgezeichnet und die beteiligten regionalen und überregionalen Akteure benannt werden. Das Projekt verfolgt das Ziel, den historischen Bestand dieses rituellen Geräts im Hamburger Raum zu rekonstruieren und dessen weitere Wege nach 1938 nachzuvollziehen. Welche Objekte sind wann und wie verloren gegangen? Und wo befinden sie sich heute? Das Projekt vereint damit zwei Perspektiven, die auf das frühere die und das heutige Hamburger Synagogensilber: Es ist zum einen eine Verbleibstudie historischer Bestände, zum anderen eine Provenienzforschung an heute vorhandenen Stücken, in der die Hintergründe der heutigen Sammlungen in Hamburg erhellt werden können. Dabei richtet sich der Blick des Projekts über die Provenienz einzelner Gegenstände hinaus auf die historischen Strukturen der Beraubung und Schändung der Geräte und sakralen Objekte.
Einschlägige Vorarbeiten sind bereits von Wiebke Müller M.A. geleistet worden. Die erfahrene Provenienzforscherin und langjährige Mitarbeiterin des Museums für Hamburgische Geschichte (MHG) hat sich in einem dort angesiedelten Forschungsprojekt u. a. mit der Enteignung des Silbers und Schmucks der in Hamburg verfolgten Juden und mit der zentralen Rolle des MHG-Kustos Dr. Carl Schellenberg befasst. Hierbei ergaben sich auch erste Erkenntnisse zum Synagogensilber, denen im geplanten Projekt gezielt nachgegangen werden soll. So konnte etwa eine Versteigerung identifiziert werden, auf der 1944 ein Konvolut „Silbergeräte aus Synagogen“ durch die Hamburger Gerichtsvollzieherei öffentlich versteigert wurde. Zu erforschen wäre, ob die vorhandene Versteigerungsliste mit möglicherweise vorhandenen alten Bestandlisten der Synagogen abgeglichen werden und was über Herkunft und Verbleib der versteigerten Stücke herausgefunden werden kann. Die Namen der Käufer:innen sind 1944 dokumentiert worden.
Mitgliedschaften
Arbeitskreis Provenienzforschung e.V. (AKP), u.a. in der AG Judaica und jüdische Alltagsgegenstände und in der AG Niederlande; Verein für Hamburgische Geschichte.
Aktuelle Veröffentlichungen
- Die Gunst der Stunde. Carl Schellenberg als Netzwerker und Kulturgestalter in Hamburg und Europaim Zweiten Weltkrieg, in: Robel/Strupp (Hrsg. für die Forschungsstelle für Zeitgeschichte): Kultur inHamburg 1933-45 (Arbeitstitel). Erscheint Hamburg 2027
- Dispossession, Injustice, Violence. Trauma Awareness in Provenance Research, in: Tagungsband zurJahrestagung des Arbeitskreises für Provenienzforschung (AKP) in Bonn 2025. Erscheint 2026.
- Herkunft und Erinnerungskultur. Aus der Werkstatt einer Provenienzforscherin, in: Die Erinnerungwachhalten. Ulrich Bauche und sein Wirken in Hamburg. Hrsg. v. Wilfried Weinke. Hamburg 2023, S.149-170.
Veröffentlichungen
- Die Zukunft der Herkunft? Provenienzforschung und die Biografie der Objekte am Beispiel der Silbersammlung, in: 100 Jahre Museum für Hamburgische Geschichte 1922 bis 2022. Hrsg. v. Hans-Jörg Czech und Bettina Probst. Dresden 2022, S. 193-199.
- Artikel zu Carl Schellenberg und Werner Kloos im Repertorium der Akteure auf dem französischen Kunstmarkt während der deutschen Besatzung (1940-1945) – Online-Publikation, 2021.
- Das Silber der Hamburger Juden und sein Weg in die öffentlichen Sammlungen der Stadt, in: Raubkunst? Silber aus ehemals jüdischem Besitz – wie gehen Museen damit um? Symposium anlässlich der Ausstellung „Raubkunst? Provenienzforschung zu den Sammlungen des Museums für Kunst und Gewerbe“ (Tagungsband). Hamburg 2016, S. 18-23.
- Das Silber der Hamburger Juden. Eine bis heute währende „Rettungsgeschichte“?, in: Raubkunst? Provenienzforschung zu den Sammlungen des Museums für Kunst und Gewerbe Hamburg, hrsg. von Sabine Schulze und Silke Reuther. Hamburg 2014, S. 74-86.