Internationale Konferenz zum 60. Gründungsjubiläum des Instituts für die Geschichte der deutschen Juden
19.–20. Mai 2026 im Institut für die Geschichte der deutschen Juden
Sein 60-jähriges Gründungsjubiläum nahm das IGdJ zum Anlass, um entlang der aktuellen Forschungsschwerpunkte am Haus die jüdische Geschichte und Kultur im Kontext neuer Fragestellungen und Methoden zu diskutieren. Die einzelnen Sektionen nahmen rechtsgeschichtliche Perspektiven auf jüdische Gewalterfahrungen und den Holocaust ein und untersuchten tiefgreifende Beeinflussungen von Vergangenheit und Gegenwart. Sie thematisierten Herausforderungen in und für die Digital Jewish History und analysierten die Konditionen internationaler Migrationsbewegungen sowie die Formationen und Konflikte multipler Selbstverständnisse. Die Konferenz griff dabei auch laufende Projekte und Diskussionen in Hamburg auf, die über die Wissenschaft hinaus in die breite Gesellschaft wirken. Das Programm finden Sie hier.
Veröffentlicht auf H-Soz-Kult. Hier finden Sie den Konferenzbericht:
Wie schreibt man jüdische Geschichte? Diese Frage stellte die Direktorin des Instituts für die Geschichte der deutschen Juden (IGdJ) KIM WÜNSCHMANN (Hamburg) zu Beginn der Feierlichkeiten anlässlich des 60-jährigen Jubiläums der Forschungseinrichtung. Die Antworten auf diese Frage führten im Laufe der Konferenz schwerpunktmäßig in die 1930er-Jahre und die frühe Nachkriegszeit – Momente besonderer Fragilität deutsch-jüdischer Existenz –, aber auch bis in die Gegenwart. Die unterschiedlichen Perspektiven der Vortragenden zeigten: die Erforschung (deutsch-)jüdischer Geschichte ist weiterhin von großer Aktualität und auch die Beschäftigung mit bereits gut beforscht gemeinten Aspekten hält durch innovative Fragestellungen, wie etwa die nach jüdischen Handlungsspielräumen, und methodische Zugänge, wie etwa aus den Digital Humanities, neue Erkenntnisse bereit.
Bis 120, so heißt es in der jüdischen Tradition zu Geburtstagen und Jubiläen – die Wegmarke auf der Hälfte dieser Zeitspanne veranlasste Wünschmann sowie den Stellvertretenden Direktor des IGdJ BJÖRN SIEGEL (Hamburg) in seiner Eröffnungsrede auf die Geschichte des IGdJ selbst zu blicken. Dessen Gründung stand, rund zwanzig Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, weiterhin unter dem Eindruck des Holocaust und war, wie Siegel es formulierte, mit Fragezeichen versehen, schließlich war die Beschäftigung mit deutsch-jüdischer Geschichte im Gründungsjahr 1966 ein bundesdeutsches Novum. Das Institut entstand, so führte Siegel aus, nach langwierigen Verhandlungen um den Verbleib des Archivs der Jüdischen Gemeinden Hamburgs, auf das nach 1945 sowohl in Hamburg wie auch in Jerusalem im neugegründeten Staat Israel Anspruch erhoben wurde. Der juristische Vergleich zwischen deutschen und israelischen Institutionen sah schließlich die Teilung vor – unter der Prämisse, dass ein Institut gegründet werde, welches sich auch dieses Materials annahm. Heute ist das IGdJ fest in der deutschen Forschungslandschaft verankert und eines der Zentren der Erforschung deutsch-jüdischer Geschichte.
Vor diesem Hintergrund hatte es sich die Jubiläumskonferenz zur Aufgabe gemacht, diese in neuen Kontexten zu beleuchten. Gleich im ersten Panel wurde dafür ein Ansatz gezeigt: durch die Verschränkung von Rechtsgeschichte und Holocaustforschung, wobei im Zentrum der Vorträge die jüdischen Akteur:innen – Individuen wie Organisationen – und deren Rolle der Neuordnung des internationalen Rechtssystem in der frühen Nachkriegszeit standen. Wie ANNETTE WEINKE (Jena) ausführte, ging es den Vortragenden um die Rekonstruktion eines bislang wenig erforschten jüdischen Rechtsaktivismus vor dem Hintergrund der Verfolgung, Vernichtung und schließlich der Neuordnung jüdischer Existenz nach 1945. Dazu beleuchtete Wünschmann in ihrem Vortrag die Rolle der deutsch-jüdischen Juristen, welche an einer Ausdifferenzierung des Begriffes ‚enemy alien‘ mitwirkten und dafür plädierten zwischen „echten“ ‚enemy aliens‘ und den vor der nationalsozialistischen Verfolgung Geflüchteten zu unterscheiden. Die Frage nach dieser staatlichen Feindkategorisierung sei dabei eng verknüpft mit dem entstehenden Flüchtlingsrecht, so Wünschmann. ELISABETH GALLAS (Leipzig) wiederum bezeichnete die Mitwirkung jüdischer Akteur:innen an der Rechtsentwicklung nach 1945 als Versuch, nicht nur Recht, sondern auch Gerechtigkeit wieder herzustellen und zog dafür das Beispiel der von unterschiedlichen jüdischen Organisationen geschriebenen „Black Book“ heran. Diese „Anklageschrift für Nürnberg“ hatte zum Ziel, der Vernichtung der europäischen Juden:Jüdinnen einen zentralen Platz in den Nürnberger Prozessen einzuräumen. Obgleich sie damit letztlich scheiterten, sei es ein früher, transnationaler Versuch gewesen, den Holocaust in die öffentliche Wahrnehmung zu rücken. DAGI KNELLESSEN (Berlin) beschrieb das kurze Zeitfenster von 1949/50, welche sie als „Zwischenzeit“ bezeichnete, in der es möglich schien, Holocaustverbrecher (und potenziell -verbrecherinnen) tatsächlich für ihre Taten zu ahnden – unter der aktiven Anstrengung deutsch-jüdischer Juristen, die während dieser Zeit in bundesdeutschen Gerichten als Staatsanwälte tätig waren. Da jedoch bereits kurze Zeit später die Entlastung von Tätern und Täterinnen folgte, könne diese Anstrengung lediglich als „verpasste Chance“ bezeichnet werden. HENDRIK ALTHOFF (Hamburg) beendete das Panel mit einem Vortrag über innerjüdische Debatten um die Frage, wer die rechtmäßige Nachfolgerin der Jüdischen Gemeinde Hamburgs nach 1945 sein würde und was das etwa für bestimmte Gebäude bedeutete. Hinter dieser Auseinandersetzung stand dabei die Frage, ob der Wiederaufbau jüdischen Lebens in Deutschland überhaupt erstrebenswert und wer die Vertreterin deutsch-jüdischer Interessen sei.
Während die Vorträge des ersten Panels die Handlungsspielräume beleuchteten, die Juden:Jüdinnen in der aktiven Gestaltung des Rechts während und unmittelbar nach Ende des Zweiten Weltkrieges hatten, boten die Vortragenden des zweiten Panels mit ihrem Blick auf die bundesdeutsche Nachkriegszeit einen weiteren historischen Kontext, der half, die Möglichkeiten, aber auch die Grenzen jüdischer agency nach 1945 einzuordnen. ANTHONY D. KAUDERS (München) beschrieb dabei den Umgang der deutschen Mehrheitsgesellschaft als „Abkehr“ vom Nationalsozialismus ohne tatsächliche Auseinandersetzung oder Aufarbeitung und bettete diese Erkenntnis in generelle Überlegungen zu kognitiver Dissonanz ein. STEFANIE SCHÜLER-SPRINGORUM (Berlin) zeigte die vielen Kontinuitäten von Antisemitismus und Rassismus auf und beschrieb diese als Klebstoff der deutschen Nachkriegsgesellschaft. Die viel gepriesene Liberalisierung nach 1945, so Schüler-Springorum, sei nur möglich gewesen, da einige wenige, oft selbst ehemals Verfolgte, sich für sie einsetzten und dafür einen hohen Preis zahlten. KAREN KÖRBER (Hamburg) hingegen lenkte den Blick auf die jüdische Vielfalt in Deutschland, die in den Jahrzehnten nach dem Holocaust entstand und inzwischen zu einer Selbstverständlichkeit geworden sei, obgleich der 7. Oktober 2023 und der Anstieg von Antisemitismus auch bei Juden:Jüdinnen in Deutschland Spuren hinterlassen habe.
Zusammengedacht ergab sich aus den Vorträgen der ersten beiden Panels ein differenzierter Eindruck gerade der ersten Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg. Die Diskussionen im Anschluss an die Vorträge kreisten um Fragen nach Wissensproduktion, die Zukunft der Erinnerung, den Einfluss des Wissens über Täter:innenschaft in der eigenen Familie, wie es die neuerdings leicht zugänglichen NSDAP-Mitgliederkarteien ermöglichten, und den Einfluss des 7. Oktobers und des Krieges in Gaza auf jüdisch-muslimische Allianzen. Damit verbanden sich die historische Erforschung der Nachkriegszeit mit aktuellen gesellschaftspolitischen Debatten – die Konferenz zeigte hier, welche Relevanz die Auseinandersetzung mit jüdischer Geschichte auch für Überlegungen, die die Mehrheitsgesellschaft betreffen, haben kann.
Die öffentliche Abendveranstaltung der Konferenz griff ebenfalls eine Frage großer gesellschaftlicher Relevanz auf: die nach KI und Digitalisierung und den Herausforderungen und Chancen, die beide für die Wissenschaft mitbringen. Vordergründig ging es jedoch zunächst um die virtuelle Zusammenführung des historischen Bestands der jüdischen Gemeindearchive Hamburgs, welche in der Nachkriegszeit geteilt wurden. Für den Aufbau der nun gemeinsamen Internetpräsenz arbeitet das IGdJ mit dem Staatsarchiv Hamburg und den Central Archives for the History of the Jewish People in Jerusalem zusammen, wo die beiden Teile der Sammlung archiviert sind. Eine Podiumsdiskussion, konzipiert von ANNA MENNY (Hamburg), HELENA GEIBEL (Hamburg) und CARMEN BISOTTI (Hamburg) unter Beteiligung von INKA ARROYO ANTEZANA (Jerusalem) und JENNY KOTTE (Hamburg), Vertreterinnen der jeweiligen Institutionen, thematisierte Chancen und Herausforderungen. Weitere Vorträge zeigten, dass gerade innerhalb der Holocaustforschung besondere Vorsicht bei der Digitalisierung von sensiblem Material geboten sei. Die Impulsvorträge diskutierten den reflektierten Einsatz von KI und digitalen Zugängen bei ethischen Fragen (VERENA LUCIA NAGEL (Berlin)), bei enorm großen Quellenbeständen wie der Korrespondenz des Künstler:innenpaares Ida und Richard Dehmel (JULIA NANTKE (Hamburg)) oder bei den 2,5 Mio. Blatt aus den Akten der Nürnberger Prozesse und ihren Nachfolgeprozessen, welche das Projekt DigiNMT (PHILIPP GRAEBKE (Erlangen-Nürnberg) und BJÖRN NIETH (Erlangen-Nürnberg)) bearbeitet.
Nach der Vorstellung der Arbeit von ANNE LEHMANN (Berlin), die die Konferenz mit ihrem Graphic Recording dokumentierte, befasste sich das erste Panel des zweiten Konferenztages erneut mit der Zeit des Nationalsozialismus, diesmal jedoch mit der Zeit vor dem Holocaust. Der Blick auf die 1930er-Jahre zeigte, wie sich die Handlungsspielräume von Juden:Jüdinnen in dieser Zeit sukzessive verengten. SUSANNE HEIM (Berlin) stellte die internationalen Reaktionen auf die Vertreibungen von Juden:Jüdinnen aus Deutschland vor, wobei sie besonders nicht-staatliche, jüdische Akteur:innen in den Blick nahm und deren Perspektive auf Auswanderung und Vertreibung. Jüdische Akteur:innen standen auch im Zentrum des Vortrags von MARTIN JOST (Leipzig), welcher sich mit denjenigen Juden:Jüdinnen befasste, welche während der Evian-Konferenz die beteiligten Staaten drängten, sich der Flüchtlingsthematik anzunehmen. Siegel wiederum zeigte exemplarisch, wie Juden:Jüdinnen sich auf die Migration oder Flucht vorbereiteten und welche Wissensbestände über verschiedene potenzielle Ausreiseländer zur Verfügung standen, hier konkret Palästina und Brasilien.
Gemeinsame zentrale Themen der Vorträge waren, so wurde auch in der Diskussion deutlich, Temporalität und erneut die jüdische agency. Indem die Referent:innen die Perspektive der historischen Akteur:innen ernst nahmen, gelang es ihnen, die Entwicklungen in den 1930er-Jahren nicht von ihrem Ende her zu denken. Bedeutungsverschiebungen von Begrifflichkeiten, etwa die der Flucht oder des Flüchtlings, wurden ebenfalls thematisiert. Während sie im Jahr 1938 noch gleichbedeutend mit einem prekären, nicht erstrebenswerten Zustand galten, wurden beide nach den Novemberpogromen und dem Kriegsbeginn zunehmend gleichbedeutend mit Überleben. Anhand des Panels zeigte sich, wie wichtig die Erforschung der Zeit unmittelbar vor der Katastrophe weiterhin ist für ein umfassenderes Verständnis der Handlungsspielräume von Juden:Jüdinnen.
Während sich die Konferenz weitgehend auf die Forschungsschwerpunkte des IGdJ fokussierte, erweiterte das letzte Panel, das einzige englischsprachige, den Blick auf andere Themen und jüdische Communities. So schien es einerseits das Anliegen der Vortragenden, die „Bindestrich-Identitäten“ von Juden:Jüdinnen zu untersuchen und andererseits die Vorstellungen der Mehrheitsgesellschaften über sie, den „imaginierten Juden“ also, kritisch zu hinterfragen. JULIA POHLMANN (Hamburg) konzentrierte sich in ihrem Vortrag auf die Association for Jewish Refugees, einer von deutschsprachigen Juden:Jüdinnen in Großbritannien gegründeten Hilfsorganisation und sprach über Selbst- und Fremdbilder dieser als Vorzeigeminderheit beschriebenen Gruppe, während PABLO BORNSTEIN (Madrid) sephardische Juden:Jüdinnen in den Blick nahm und die Forschungskontexte beleuchtete, welche sich ihrer in Spanien annahmen. Bornstein zeigte dabei die Spannung zwischen einer nationalistischen Einverleibung und Überhöhung des sephardischen Judentums bei gleichzeitigem Fortbestehen von Antisemitismus auf. PAULA OPPERMANN (Berlin) wiederum stellte in ihrem Vortrag die sich verändernden Vorstellungen über Juden:Jüdinnen in Lettland im 20. Jahrhundert vor, wobei sie den Begriff des „closest other“ nutzte.
Dieses letzte Panel versuchte, den Blick über die Gruppe der deutschen Juden:Jüdinnen hinauszuwerfen und Verbindungslinien herzustellen, was nicht immer umfänglich gelang. Darüber hinaus wurde in der Diskussion auf die Notwendigkeit hingewiesen, Erfolgsnarrative in Frage zu stellen und diversere Perspektiven etwa in Bezug auf Klasse, Generation oder Geschlecht miteinzubeziehen.
Zwei Exkursionen ergänzten das Konferenzprogramm auf bereichernde Weise. Am Nachmittag des ersten Konferenztages fand ein Rundgang zum früheren Standort der Bornplatzsynagoge statt. JONAS STIER (Hamburg) sprach dabei über die jüdische Geschichte des Grindelviertels und die Debatten um den Wiederaufbau der Synagoge. Dieser Rundgang schloss inhaltlich an die Ausführungen Körbers über die Jüdische Gemeinde in Hamburg an und war besonders für die nicht ortskundigen Teilnehmenden erhellend. Die Exkursion des zweiten Konferenztages führte in das Altonaer Museum und dort in die temporäre Ausstellung über die Geschichte der Juden:Jüdinnen in Hamburg, welche die Direktorin des Museums ANJA DAUSCHEK (Hamburg) sowie die Kurator:innen Stier und ANNE KUNHARDT (Hamburg) vorstellten: diese habe als Projektraum in erster Linie das Ziel, zu zeigen, welches Potenzial ein Jüdisches Museum in Hamburg hätte. Beide Exkursionen machten deutlich, dass das IGdJ in engem Austausch mit anderen lokalen Akteur:innen steht und zeigten, welche zentrale Rolle das Institut über die hauseigene Forschung hinaus für die Stadt Hamburg spielt.
Wie schreibt man jüdische Geschichte? Die Ausgangsfrage, mit der Wünschmann die Jubiläumsfeierlichkeiten eröffnete, wurde auf der Konferenz auf unterschiedliche Weise aufgegriffen und weitergedacht. Festhalten lassen sich zusammenfassend einige wichtige Zugänge: jüdische Geschichtsschreibung nimmt historische Akteur:innen und ihre Perspektiven ernst und betont agency ohne dabei deren äußere Beschränkungen zu vernachlässigen. Damit schafft sie es, Geschichte nicht vom Ende her zu denken, sondern den Blick darauf zu lenken, welche Handlungsspielräume Juden:Jüdinnen zu unterschiedlichen Zeitpunkten hatten und wie sie diese nutzten. Darüber hinaus ist der Holocaust weiterhin ein zentraler Bezugspunkt der deutsch-jüdischen Geschichtsschreibung, hier explizit jedoch nicht die Vernichtung selbst, sondern die Zeit unmittelbar davor und danach. Während den nichtstaatlichen Akteur:innen auf der Konferenz eine wichtige Rolle zugesprochen wurde, waren es, sicherlich auch bedingt durch die entsprechende Quellenlage, vor allem gut gebildete, oft säkulare Juden:Jüdinnen, die im Zentrum der Vorträge standen.
In Auseinandersetzung mit den Vorträgen lässt sich vermuten, dass weitere Themen zukünftig stärker in Fokus rücken: andere Jahrzehnte als die 1930er- und 1940er-Jahre etwa, Berührungspunkte zwischen Juden:Jüdinnen und anderen Minderheiten oder die Diversität der im Laufe der letzten Jahrzehnte und Jahrhunderte in Deutschland lebenden Juden:Jüdinnen, gerade bezüglich Klasse und Herkunft. Schließlich bieten auch die mit den Mitteln der Geschichtswissenschaft noch nicht greifbaren Themen wie der Einfluss jüngerer Migrationsbewegungen sowie die Folgen des 7. Oktober 2023 und des folgenden Krieges in Gaza auf Juden:Jüdinnen in Deutschland Material für Historiker:innen in den kommenden Jahrzehnten.
Die Konferenz hat gezeigt, dass die deutsch-jüdische Geschichtsschreibung ein lebendiges Forschungsfeld ist, welches zum einen historische jüdische Akteur:innen ernst nimmt und so einen differenzierten Blick auf die Geschichte ermöglicht und zum anderen anschlussfähig ist an aktuelle Debatten und damit auch über das Forschungsfeld hinaus von Interesse und Relevanz ist. Das IGdJ ist, auf der Hälfte zur 120, zu seinem 60. Geburtstag dafür bestens aufgestellt.
Konferenzübersicht
Björn Siegel (Hamburg): Begrüßung
Panel I: Rechtsgeschichte und Holocaust-Forschung. Jüdische Perspektiven, Repräsentationen und Interventionen
Annette Weinke (Jena): Moderation und Einführung
Kim Wünschmann (Hamburg): Paradoxien der Feindkategorisierung. Das „Enemy Alien“-Phänomen im Kontext der jüdischen Flüchtlingskrise und des Holocausts
Elisabeth Gallas (Leipzig): Eine jüdische Anklageschrift für Nürnberg. “The Black Book on the Nazi Crime against the Jewish People”
Dagi Knellessen (Berlin): Verpasste Chancen. Rechtspositionen deutsch-jüdischer Juristen zu Holocaustverbrechen, 1949/1950
Hendrik Althoff (Hamburg): Redistribution statt Restitution. Das enteignete Vermögen jüdischer Gemeinden in der frühen Bundesrepublik
Panel II: Fragen an die deutsch-jüdische Geschichte und Gegenwartsforschung
Anna Menny (Hamburg): Moderation
Anthony D. Kauders (München): Was heißt: Abgrenzung von der Vergangenheit?
Stefanie Schüler-Springorum (Berlin): Vorwärts und nicht vergessen
Karen Körber (Hamburg): Jetzt! Heute! Hier! Gegenwartsforschung als Herausforderung und Chance
Exkursion I: Das Grindelviertel und der Wiederaufbau der Bornplatzsynagoge
Führung mit Anne Kunhardt und Jonas Stier (beide Hamburg)
Öffentliche Abendveranstaltung: Quellen, Daten, Kontexte. Eine Website zur virtuellen Zusammenführung eines geteilten Archivs
Kim Wünschmann (Hamburg): Begrüßung und Einführung
Verena Lucia Nägel (Berlin): Digitale Zugänge – sensible Quellen. Ethische und rechtliche Herausforderungen bei der digitalen Bereitstellung von Quellen zur jüdischen Geschichte und zum Nationalsozialismus
Julia Nantke (Hamburg): Netzwerke edieren – Die Briefkorrespondenz von Richard und Ida Dehmel
Philipp Graebke / Björn Nieth (Erlangen-Nürnberg): DigiNMT – eine digitale Edition der Nürnberger Nachfolgeprozesse. Technische Herausforderungen bei der Bearbeitung großer Dokumentenmassen
Podiumsdiskussion zur Digitalisierung der Hamburger Quellen zur jüdischen Geschichte
Moderation: Carmen Bisotti und Anna Menny (beide Hamburg) mit Inka Arroyo Antezana (Jerusalem), Jenny Kotte (Hamburg) und Helena Geibel (Hamburg)
Anne Lehmann (Berlin) / Kim Wünschmann (Hamburg): Die Konferenz im Bild: Blicke aufs Graphic Recording
Panel III: Internationale Flüchtlingspolitiken und ihre Auswirkungen. Neue Forschungen zu NS-Verfolgung, Flucht und Vertreibung
Marguerite Bertheau (Hamburg/München): Moderation
Susanne Heim (Berlin): Zwischen Schutzversprechen und Grenzregimen. Internationale Reaktionen auf die Vertreibung der Juden aus Deutschland
Martin Jost (Leipzig): Zwischen Hoffnung und Ernüchterung. Jüdische Organisationen auf der Konferenz von Évian 1938
Björn Siegel (Hamburg): Die Imagination der Fremde. Individuelle Erfahrungen und Visualisierungen zwischen Palästina und Brasilien
Panel IV : The Figurative Construction of the “Imagined Jew” in Europe in Times of New Identities
Alexander Schneidmesser (Wien): Moderation
Paula Oppermann (Berlin): The Image of the Jew in Latvia
Julia Pohlmann (Hamburg): Between Exile and Reconnection. The Transformation of German-Jewish Identities as Reflected in the Association of Jewish Refugees (AJR)
Pablo Bornstein (Madrid): Between Sephardism and Hispanidad. The Sephardic Legacy in Spanish and Jewish Historiography in the mid 20th Century
Exkursion II: Die Ausstellung „Wegmarken Jüdischer Geschichte. Ein Projektraum für Hamburg” im Altonaer Museum“
Führung und Hintergrundgespräch mit Anja Dauschek (Direktorin Altonaer Museum) und den Kurator:innen Anne Kunhardt und Jonas Stier (alle Hamburg)
Zitation: Josefine Langer Shohat, Tagungsbericht: 60 Jahre IGdJ. Deutsch-Jüdische Geschichte in neuen Kontexten, in: H-Soz-Kult, 29.09.2026, https://www.hsozkult.de/conferencereport/id/fdkn-164565.
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