Bildungs- und Wissenschaftsgeschichte, Das lange 19. Jahrhundert

Dr. Uta Lohmann in Kooperation mit Dr. Kathrin Wittler, Maria Röger, Marcel Layher

Von März 2020 bis Februar 2022 gefördert durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft

Im Zentrum des Forschungsvorhabens steht das Wirken des jüdischen Aufklärers Joel Löwe (יואל ברי"ל Joel Bril, 1762–1802) in Breslau. Löwe wurde 1790 zum Oberlehrer und Direktoriumsmitglied der hier neu gegründeten jüdischen Wilhelmsschule berufen und nahm fortan maßgeblichen Einfluss auf den aufklärerischen Diskurs vor Ort. Sein Wirken soll durch die historisch-kritische Edition der zwischen 1791 und 1800 publizierten Programme der Wilhelmsschule und weiterer Texte Löwes aus seiner Breslauer Zeit rekonstruiert werden. Mit der Edition dieser Schriften wird ein wichtiger Teil des Werks einer zentralen Figur der jüdischen Aufklärung (Haskala) erstmals erschlossen. Darüber hinaus eröffnet das Projekt neue Einsichten in den ideen-, sprach-, kultur-, wissens- und sozialgeschichtlichen Kontext der Anfänge einer für die deutsch-jüdische Bildungsgeschichte bedeutsamen Schule.

Mit den zu edierenden Programmschriften wurde zu den jährlich stattfindenden öffentlichen Prüfungen der Wilhelmsschule eingeladen. Sie enthalten nicht nur schulinterne Berichte, sondern auch wissenschaftliche Abhandlungen aus der Feder Löwes, mit denen er seine vielfältigen und weit gestreuten Interessen als Pädagoge, Linguist, Bibelexeget und Historiker erwies.

Der Quellenwert der Schulprogramme ist für die Haskala in Preußen und für die Werkbiografie Löwes sehr hoch. Sie sind heute nur in bibliografisch unzureichend erfassten Einzeldrucken in wenigen Bibliotheken weltweit erhalten. Mit der Edition werden sie – basierend auf einem vollständig erhaltenen Sammelexemplar der Universitätsbibliothek Wrocław – als Buchpublikation zugänglich gemacht und durch ein Register sowie durch wissenschaftliche Kommentare erschlossen. Überblicksbeiträge zu Löwes Wissensgebieten werden eine vielschichtige interdisziplinäre Kontextualisierung seiner Schriften gewährleisten.

Löwes Programmschriften werden außerdem als hochauflösende und durchsuchbare Scans als Open-Access-Veröffentlichungen über das Online-Portal Fachinformationsdienst Jüdische Studien zugänglich gemacht: Die Digitalen Sammlungen Judaica bieten einen Onlinezugang zu den Quellen, in der Datenbank Library of the Haskala werden detaillierte bibliografische Angaben erfasst.

Projektverantwortliche:
Dr. Uta Lohmann (Institut für die Geschichte der deutschen Juden, Hamburg),
Dr. Kathrin Wittler (Peter Szondi-Institut für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft, Freie Universität Berlin)    

Projektmitwirkende:
Maria Röger (studentische Mitarbeiterin, FU Berlin)
Lisa Trzaska (studentische Mitarbeiterin, IGdJ, Februar 2020 bis März 2021)
Marcel Layher (studentischer Mitarbeiter, Uni Potsdam)

Ansprechpartnerin:
Dr. Uta Lohmann
040 42838-2307
uta.lohmann@igdj-hh.de