Jüdisches Bauen, Zeitgeschichte und Gegenwartsforschung

Von 2018 bis 2021 gefördert durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft

Im Rahmen des Projektes werden die Möglichkeiten und Grenzen „Jüdischen Bauens“ zwischen 1945 und 1989 in der Bundesrepublik und in der DDR in einer architekturhistorischen Studie erforscht. Dabei werden mit dem Begriff des jüdischen Bauens unterschiedliche Aspekte zusammengefasst: das Leben und Wirken jüdischer Architektinnen und Architekten, die jüdischen Gemeinden als Bauherren, die für jüdische Nutzungen errichteten Bauten und schließlich ihre Rezeption unter anderem seitens einer nichtjüdischen Öffentlichkeit im Rahmen von Eröffnungsfeierlichkeiten, in Tageszeitungen oder Publikationen. Gefragt wird damit danach, in welchen – architektonischen, städtischen und öffentlichen – Räumen sich jüdisches Leben nach der Shoah in beiden Ländern entwickeln konnte und welchen Beitrag in der Architektur und Stadtplanung jüdische Architekt:innen leisteten.

Im Mittelpunkt des Projektes stehen jüdische Bauaufgaben: Synagogen, Gemeindezentren, Altenheime, Jugendräume, Friedhofsbauten sowie Denkmale, die in einer Beziehung zu den Orten zerstörter Synagogen stehen. Einbezogen werden dabei sowohl tatsächlich realisierte als auch nicht umgesetzte Planungen für Neubauten sowie – die deutlich häufiger erfolgten – Umnutzungen bestehender Gebäude durch die Gemeinden. Während in der DDR die Bauprojekte mehrheitlich in den 1950er-Jahren abgeschlossen wurden, lässt sich für die Bundesrepublik eine Geschichte des Jüdischen Bauens über den gesamten Untersuchungszeitraum nachzeichnen. Vor diesem Hintergrund wurde unter anderem eine Auswahl getroffen, mit der Vorhaben einbezogen werden können, die zu unterschiedlichen Zeitpunkten und unter unterschiedlichen (lokal-) politischen Vorzeichen entstanden. Untersucht wird dabei nicht allein die konkrete Baugeschichte, sondern es wird Fragen nach einer Sichtbarkeit jüdischen Lebens nachgegangen, nach Bedeutungszuschreibungen, möglichen Aneignungen der Architektur, nach Bezügen zur jüdischen Geschichte, aber auch nach Restitutionen, „Wiedergutmachungen“ und dem Umgang mit vormaligen Synagogengrundstücken und erhaltenen Gemeindebauten.