Nationalsozialismus und Schoah - in Geschichte und Wirkung, Zeitgeschichte und Gegenwartsforschung

Literarisch imaginierte jüdische Rache nach der Shoah gehört zu den kaum erforschten Aspekten der deutsch-jüdischen Beziehungsgeschichte wie der jüdischen Literaturgeschichte im 20. und 21. Jahrhundert. Dabei ist die intensive und kontinuierliche literarisch-künstlerische Auseinandersetzung mit den emotionalen, ethischen, politischen und poetischen Implikationen von Rachegefühlen und -fantasien nach dem „Zivilisationsbruch“ (D. Diner) anhand zahlreicher Beispiele evident.

Indem es mehr als 150 seit den 1940er Jahren in verschiedenen Sprachen (u.a. Deutsch, Hebräisch, Jiddisch, Englisch) entstandenen Werke erstmals im Zusammenhang untersucht und widerständige Gegenerzählungen zu dominanten Erinnerungsnarrativen der Versöhnung sichtbar macht, will das Vorhaben diese auffällige Forschungslücke an der Schnittstelle von Jüdischen Studien und Literaturwissenschaft schließen und zugleich das grundlegende Verständnis des komplexen Phänomens der Rache befördern. Hierfür werden einschlägige Texte und Filme in einem Materialkorpus erfasst und hinsichtlich ihres Umgangs mit dem Rachemotiv gesichtet sowie exemplarisch analysiert und in ihren jeweiligen intertextuellen und diskursiven Konstellationen verortet. Grundlage für die Untersuchung ist eine allgemeine Erzähltheorie sowie die disziplinenübergreifende Einbeziehung existierender Forschungsthesen zu jüdischer Rache nach der Shoah, Rache im Jüdischen Denken, Rache in der Literatur sowie ganz allgemein Rache als universell-menschlicher Regung und gesellschaftlicher Herausforderung. Die Forschungsergebnisse werden in Form einer wissenschaftlichen Monografie, eines interdisziplinären Sammelbandes und einer kommentierten Anthologie von Primärtexten dokumentiert.